Von Immoelite Redaktion - Sabrina Teilen Teilen Wer ein älteres Gebäude kauft oder saniert, ahnt oft nicht, was in Wänden, Decken und Böden schlummert. Asbest im Fliesenkleber, künstliche Mineralfasern (KMF) in der Dämmung, PCB in Fugenmassen oder PAK in alten Teerprodukten, besonders bei Bauten bis in die 1990er Jahre ist die Wahrscheinlichkeit hoch, auf solche Altlasten zu stoßen. Was dann? Einfach weitermachen ist keine Option, denn Schadstoffe gefährden nicht nur die Gesundheit aller Beteiligten, sondern können auch Zeitpläne sprengen und Budgets verdoppeln. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich eine Schadstoffsanierung planbar und sicher durchführen. Dieser Leitfaden zeigt, worauf es ankommt, von der ersten Analyse bis zur dokumentierten Entsorgung. Ausgangslage & Risikoanalyse Bevor der erste Hammer schwingt, braucht es Klarheit: Was ist wo verbaut? Eine Vermutung reicht nicht. Das Baujahr gibt erste Hinweise – Asbest wurde bis 1993 verwendet, alte KMF-Dämmstoffe bis in die 1990er eingebaut. Doch nur eine professionelle Materialprobe bringt Gewissheit. Sachkundige Gutachter entnehmen Proben an kritischen Stellen und lassen diese in akkreditierten Laboren analysieren. Bei größeren Objekten können zusätzlich Raumluftmessungen sinnvoll sein, besonders in sensiblen Bereichen wie Kindergärten oder Büros. Die rechtliche Grundlage bilden die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), insbesondere TRGS 519 für Asbest und TRGS 521 für KMF. Hier zeigt sich oft: Was als „kleiner Eingriff“ geplant war, erfordert plötzlich ein strukturiertes Sanierungskonzept. Wer diese Erkenntnis früh gewinnt, spart später böse Überraschungen. Vergabe & Rechtssicherheit Nicht jedes Abbruchunternehmen darf Schadstoffe entfernen. Bei Asbestarbeiten gelten strenge Anzeige- und Erlaubnispflichten, die der Auftraggeber verantwortet. Die Auswahl des richtigen Partners ist deshalb entscheidend: Sachkundenachweis nach TRGS 519 oder 521, dokumentierte Erfahrung mit vergleichbaren Projekten und ein schriftliches Qualitätssicherungskonzept sind Pflicht, nicht Kür. Besonders in Ballungsräumen wie Berlin, wo Bestandsgebäude dicht an dicht stehen, ist Expertise gefragt. Hier kommen oft spezialisierte Firmen zum Einsatz, die qualifizierte Abbrucharbeiten in Berlin durchführen und mit den lokalen Behörden vertraut sind. Wichtig bei der Auswahl: Referenzen prüfen, Haftpflichtdeckung bestätigen lassen und ein konkretes Mess- und Entsorgungskonzept einfordern. Die Leistungsbeschreibung muss präzise sein: Welche Verfahren kommen zum Einsatz? Wie werden Schwarz- und Weiß-Bereiche getrennt? Welche persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist vorgeschrieben? Unklare Formulierungen führen später zu Streit über Mehrkosten. Sanierungskonzept & Verfahren Das Herzstück jeder Sanierung ist die strikte Trennung von kontaminiertem und sauberem Bereich. Das sogenannte Schwarz-Weiß-Prinzip sorgt dafür, dass Schadstoffe nicht verschleppt werden. Der Arbeitsbereich wird mit Folien abgeschottet, Personalschleusen mit Duschgelegenheit eingerichtet, und eine Unterdruckanlage mit HEPA-Filter verhindert, dass belastete Luft nach außen dringt. Die Entfernung selbst erfolgt möglichst emissionsarm: Materialien werden angefeuchtet, nicht abgeschlagen, Schneidewerkzeuge nutzen Absaugung, lose Fasern werden vor dem Abbau fixiert. Das kostet mehr Zeit als grobes Vorgehen, reduziert aber die Faserfreisetzung dramatisch. Die Schutzausrüstung – mindestens FFP3-Atemschutz, Einwegoveralls Typ 5/6, Schutzbrille und Handschuhe – ist nicht verhandelbar. Ebenso wichtig: Das Team muss die Abläufe für An- und Ablegen, Schleusennutzung und Notfallverhalten beherrschen. Baustellenlogistik & Umsetzung Eine Schadstoffsanierung läuft in klar definierten Phasen ab: Einrichtung der Abschottung, Freilegen der betroffenen Bauteile, kontrollierte Entfernung, staubdichtes Verpacken, Reinigung, Freimessung und schließlich Rückbau der Schutzbereiche. Nach jeder Phase erfolgt eine dokumentierte Qualitätskontrolle, nur wer sauber arbeitet, darf weitermachen. Bei laufendem Betrieb oder in dicht bebauten Gebieten kommen weitere Herausforderungen hinzu: Nachbarn müssen informiert werden, Fluchtwege bleiben frei, lärmreduzierte Zeitfenster werden eingehalten. Ein strukturierter Kommunikationsplan verhindert, dass aus technischen Problemen Nachbarschaftskonflikte werden. Entsorgung, Nachweise & Kostenrahmen Schadstoffhaltige Materialien landen nicht einfach im Container. Sie werden in gekennzeichneten Big-Bags mit UN-Zulassung verpackt, nach ADR transportiert und mit elektronischen oder papierbasierten Begleitscheinen dokumentiert. Wer hier unsauber arbeitet, riskiert Rückläufer von der Deponie – und damit teure Nachbesserungen. Die Kosten einer Schadstoffsanierung setzen sich aus vielen Faktoren zusammen: Abschottungstechnik, Arbeitszeit (emissionsarme Verfahren sind personalintensiv), Messtechnik, PSA-Verbrauch und Entsorgungsgebühren. Ein Puffer für zusätzliche Funde ist ratsam, kaum ein Bestandsgebäude gibt beim ersten Blick alle Geheimnisse preis. Wer frühzeitig plant und Finanzierungsoptionen für Sanierungsprojekte prüft, behält auch bei unerwarteten Funden die Kontrolle über das Budget. Am Ende steht die Freigabe: Raumluftmessungen bestätigen, dass keine Grenzwerte überschritten werden, und eine vollständige Sanierungsakte dokumentiert jeden Schritt, von der ersten Probenahme bis zum letzten Wiegeschein. Fazit Schadstoffsanierung ist kein Hexenwerk, aber auch kein Nebenschauplatz. Wer strukturiert vorgeht – von der gründlichen Analyse über die qualifizierte Ausführung bis zur lückenlosen Dokumentation – macht aus einem Risikothema ein planbares Projekt. Die Investition in Sachverstand zahlt sich aus: in niedrigeren Gesundheitsrisiken, besserer Bauteilqualität und kalkulierbaren Kosten. Und nicht zuletzt in der Gewissheit, dass das sanierte Gebäude langfristig sicher und nutzbar bleibt. Share
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